Richtfest am Neubau von Labor-, Büro- und Technologieflächen im Fraunhofer IKTS - Institutsteil Hermsdorf

Pressemitteilung /

Die Thüringer Landesregierung und der Vorstand der Fraunhofer Gesellschaft haben im Mai 2009 die Entscheidung zur Integration des ehemaligen Hermsdorfer Instituts für Technische Keramik e.V. als neuer Institutsteil in das bestehende Fraunhofer Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS am Standort Dresden getroffen mit dem Ziel, damit die Aktivitäten beider Einrichtungen zu einem national und international führenden industrienahen Forschungszentrum auf dem Gebiet der technischen Keramik zu bündeln.

© Fraunhofer
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Eckdaten zum Bau:


Bauherr: Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V.,  München
Nutzer:  Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS
Architekt: Gewers & Pudewill GPAI GmbH, Berlin

Bis zum Richtfest wurden
- ca. 9.000 m³ Erdaushub bewältigt
- ca. 3.500 m³ Beton verbaut
- ca. 500 t Stahlbewehrung eingebaut
- ca. 500 Stahlbetonstützen errichtet
- ca. 250 m Drainageleitung verlegt
- ca. 5.000 m Elektro-Leerverrohrung vorgenommen
- ca. 1.500 m Blitzschutzableiter verlegt
 
Das alles (und noch einiges mehr) ergibt zusammen einen Rohbau, der sich auf ca. 2.440 m² Grundfläche ca. 13,5 m über den Erdboden erhebt.



Bestandteil des Integrationskonzeptes ist die Errichtung eines Neubaus von Labor-, Büro- und Technologieflächen mit einer Gesamtinvestitionssumme in Höhe von 18 Mio. € unmittelbar auf dem Nachbargrundstück des Fraunhofer IKTS am Standort Hermsdorf.

75% der Investitionssumme sind EU-Mittel aus dem „Operationellen Programm Thüringen 2007-2013“. Die restlichen 25% werden zu jeweils gleichen Anteilen vom Freistaat Thüringen und vom BMBF bereitgestellt.

Durch dieses Bauvorhaben entsteht in 3 Geschossen ein neues Forschungsgebäude mit einer bebauten Fläche von 5.740 m² (BGF) und einer Hauptnutzfläche von 2.775 m² für Labore, Büros und Technologieflächen für drei strategische Forschungsschwerpunkte:
- neue Werkstoffe für die Reaktions- und Umweltverfahrenstechnik
- neue oxid- und optokeramische Werkstoffe und Komponenten
- Oberflächentechnik für Faserverbundwerkstoffe

Diese Forschungsschwerpunkte beinhalten einen wesentlichen Bezug auf die GreenTech-Strategie des Landes Thüringen. Sie leisten ihren Beitrag unter Anderem auf den Leitmärkten „Umweltfreundliche  Energien und Energiespeicherung“, „Rohstoff- und Materialeffizienz“ sowie „Kreislaufwirtschaft“ und „nachhaltige Wasserwirtschaft“.

Im Forschungsneubau werden die Grundlagen geschaffen, keramische Werkstoffe und Bauteile aus dem Labor in neue Anwendungen zu bringen. Damit erfüllt IKTS die Rolle des Transmitters zwischen der Werkstoffwissenschaft und der insbesondere lokal konzentrierten Keramikindustrie.
 
Keramische Werkstoffe und Bauteile werden derart gestaltet, dass sie mit industrienahen Prozessen hergestellt werden können. Dazu werden die entsprechenden Herstellverfahren vom Labormaßstab auf industrienahe Anlagen im Pilotmaßstab übertragen – so genanntes Scale-up. Dies ist eine wesentliche Aufgabe des IKTS: zu zeigen, dass lokale Wertschöpfung in der Industrie mit den Neuentwicklungen des IKTS möglich ist.

Im Gebäude werden neue Geschäftsfelder und damit Anwendungsgebiete für Keramik erobert:
     
Die Synthese und Anwendung neuer Höchstleistungs-Oxidkeramiken in transparenter Qualität und für optische Anwendungen wird unterstützt durch ein Reinraumtechnikum. Im Zusammenhang mit der in Jena vorhandenen wissenschaftlichen Kompetenz und der mittelständischen Industrie entstehen einzigartige Möglichkeiten, keramische Bauteile für Optik, Lasertechnik, Beleuchtung und Messtechnik anzuwenden.

Ein Membrantechnikum erlaubt die Entwicklung kontinuierlich arbeitender Verfahren mit hohem Innovationsgrad, um keramische Membranen herzustellen. Erste Entwicklungsmuster werden derzeit in Feldtests und Pilotanlagen auf der ganzen Welt getestet. Die Hauptanwendungsgebiete sind die Reinigung und Aufbereitung von Wasser, Gasen und Wertstoffen. Es ergeben sich u. a. sehr gute Exportchancen, wenn es gelingt, industrietaugliche Qualität nachzuweisen.

Ein Technikum für das Plasmaspritzen von Keramik erlaubt die Pilotierung völlig neuartiger Beschichtungen aus Keramik auf Kunststoffen und Verbundwerkstoffen. Damit können sehr leichte und hochfeste Kunststoffe wie CFK mit harten, verschleißfesten und beständigen Schutz- und Funktionsschichten versehen werden. Es wird eine Verknüpfung zur Thüringer Kunststoffindustrie hergestellt. Wachsende Anwendungen ergeben sich zudem im  Leichtbau, so zum Beispiel in der Automobilindustrie, der Medizintechnik und im innovativen Maschinenbau.

Das Fraunhofer-Institut für keramische Technologien und Systeme IKTS deckt somit das Feld der Technischen Keramik von der grundlagenorientierten Vorlaufforschung bis zur angewandten Forschung in großer Applikationsbreite ab.
Ausgehend von einem soliden Material- und Werkstoffwissen über keramische Hochleistungswerkstoffe erstrecken sich die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten über die gesamte Wertschöpfungskette bis hin zur Prototypenfertigung. Das Fraunhofer IKTS zeichnet sich damit durch eine dreifache Kompetenz aus:
Werkstoff-Know-How, Fertigungstechnologien und System- bzw. Produktintegration.

Dabei ist das Fraunhofer IKTS gleichermaßen auf die beiden Technologieschwerpunkte Struktur- und Funktionskeramik ausgerichtet. Chemiker, Physiker und Werkstoffwissenschaftler, Ingenieure und Techniker arbeiten hierzu interdisziplinär und zunehmend standortübergreifend zusammen.

Mit den Neubauflächen wird ein sich seit einigen Jahren am IKTS in Hermsdorf angestauter flächenmäßiger Engpass beseitigt. Ca. 6 Mio. EUR der Gesamtinvestitionssumme werden in neue wissenschaftliche Geräte und Ausrüstungen investiert, die auf den neuen Flächen zum Einsatz kommen werden.

Damit einher geht nach geplanter Fertigstellung Ende 2013 auch eine personelle Erweiterung. Bis Ende 2015 soll die Mitarbeiterzahl von 130 auf etwa 150 steigen. Vor allem der wissenschaftliche Nachwuchs, wie Doktoranden und Praktikanten, soll mit den neuen Arbeitsmöglichkeiten stärker gefördert werden.